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Bis(s) zum Abendrot - und darüber hinaus
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Allen die gelegentlich ihr eingerostetes Englisch auffrischen wollen, sei empfohlen die Romane der Twilight-Serie im Original zu lesen. Stephenie Meyers Prosa ist leicht verständlich und auch ohne Wörterbuch im Schoß gut lesbar. Auch sind die Buchcover wesentlich ansprechender gestaltet als in der deutschen Version. Aber das nur nebenbei. Schließlich geht es hier um wichtigeres.
Bella wird 18. Ein Grund zum Feiern finden Edward und seine Familie. Alice, die blutsaugende Seherin der Familie Cullen richtet eine Party für Bella aus. Diese ist wenig begeistert. Schließlich findet sie es nicht im geringsten amüsant zu altern, während ihre große Liebe auf immer süße 17 bleiben wird. Die Feier gerät denn auch zum Fiasko. Bella schneidet sich am Geschenkpapier, stürzt blutend zu Boden und vertreibt so die gesamte Familie Cullen binnen weniger Sekunden aus dem Haus. Schließlich hat man das Geburtstagskind nur im übertragenen Sinn zum Fressen gern. Edward ist bestürzt und beschließt Bellas Leben, zu ihrem Wohl, für immer zu verlassen. Die Familie Cullen verlässt Forks und Bella bleibt allein zurück.
Geschockt? Nicht notwendig. Ich denke ich verrate nicht zuviel, wenn ich darauf hinweise, dass wir am Ende des Romans wieder auf Edward treffen. Meine Befürchtung war eher, wie ich ein ganzes Buch ohne Edward durchstehen soll. Ich war überrascht wie gut das geht. Zunächst einmal muss der Leser mit Bella eine Zeit der Agonie durchstehen. Stephenie Meyer löst das sehr gut. Die Monate nach dem desaströsen Geburtstag im September sind nichts weiter als leere Seiten. Oktober, November, Dezember - leer. Erst im Januar nimmt Bella ihr Leben wieder in die Hand. Als ihr Vater ihr ein Ultimatum setzt, muss sie notgedrungen wieder am sozialen Leben teilnehmen. Und macht eine überraschende Entdeckung. Sie gerät durch Zufall in eine gefährliche Situation und vernimmt Edwards Stimme. Sie beschließt auf diese Erfahrung nicht mehr zu verzichten und provoziert die Gefahr. Das hält den Leser derart in Atem, das man die Zeit bis Edward wieder in Persona in Erscheinung tritt, locker durchliest.
Der zweite Band der Vampir-Sage ist bisweilen grotesk bis zur Lächerlichkeit. Gerade einen Vampir-Liebhaber weniger, hat Bella nichts besseres zu tun, als sich einen Werwolf anzulachen. Auch die Leihgaben von Shakespeares Romeo und Julia wirken ein wenig deplaziert. Denn im Zeitalter von Handy und nicht zu vergessen, den übermenschlichen Gaben der Vampire (Gedankenlesen, Zukunft sehen) scheint es eher unwahrscheinlich das eine wichtige Information nicht zu rechten Zeit an Ort und Stelle sein kann.
Aber all das trübt das Lesevergnügen in keinster Weise. Die Seiten fliegen nur so dahin. Und die Autorin baut ihre trickreichen Wendungen so geschickt ein, das man ihr auch die unwahrscheinlichsten Aktionen abnimmt. Am Ende löst sich zunächst alles zur romantischen Zufriedenheit des Lesers auf. Aber die Entspannung ist nicht von langer Dauer. Zu viele Fragen sind noch ungelöst aber zu brennend um ungeklärt zu bleiben. Man kann es auch so formulieren. Wer einmal gebissen wurde, der ist infiziert und wird es bleiben. Bis(s) zum Abendrot und darüber hinaus.
Eine Rezension von R. Rabuser "R.E.R." >
vom 8. April 2010 | | |
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